Nach vorne schauen und Veränderungen annehmen – Dana, „die Komplizin“ im Interview

War früher alles besser? Menschen verändern sich, die Nähbloggerwelt verändert sich (mit ihnen).

Auch mein Gast Dana hat sich verändert. Sie hat lange Jahre den für viele (auch für mich sehr) inspirierenden Blog Traumschnitt geschrieben. Ich finde es faszinierend, im Verlauf ihres Blogs auch die Veränderung ihres persönlichen Stils zu beobachten. Heute hat Dana ihren eigenen Laden „die Komplizin“, in dem sie Stoffe, genähte Unikate und Schnittmuster verkauft. Außerdem bietet sie seit Jahren schon Nähkurse an.

Wie sich Veränderungen im Leben auch im Blog widerspiegeln können und warum sie heute ihre Nähwerke lieber bei Facebook als im Blog zeigt erzählt Dana uns jetzt. Viel Freude beim Lesen und vielen Dank an Dana für die inspirierenden Antworten.

1- Mir ist aufgefallen, dass du mittlerweile kaum noch bloggst sondern mehr bei Facebook zeigst. Warum ist das so?

Das Bloggen hat bei mir vor ungefähr 2 Jahren aufgehört. Zu dieser Zeit habe ich mit meiner Freundin Marion an einem großen Projekt gearbeitet. Mitten in den Arbeiten ist Marion ganz plötzlich verstorben. Für mich brach eine Welt zusammen. Alles war auf einmal so sinnlos. Ich spielte sogar mit dem Gedanken ganz mit dem Nähen aufzuhören. Ich hatte einfach keinen Spaß mehr. Trotzdem habe ich weiter Nähkurse gegeben. Nach ca. 1 Jahr kam die Freude am Nähen zurück.

Bloggen wollte ich aber nicht mehr. Zu lange war die Pause. Da habe ich Facebook für mich entdeckt und dort „alte Bekannte“ aus meiner Bloggerzeit wieder getroffen. Sofort war für mich klar, hier werde ich ab sofort meine Werke zeigen. Auf meiner Facebookseite „die Komplizin“ zeige ich alles, was in meinem Laden passiert.

2- Mit welchen Gefühlen blickst du auf dein intensivstes Bloggerjahr 2010 zurück?

Ganz ehrlich, wenn ich mir die Fotos von damals ansehe, habe ich Tränen in den Augen. Es war ein großartiges Jahr. Ich habe so viele nette Frauen in meinen Nähkursen gehabt, mit denen ich zum Teil heute noch befreundet bin. Ich hatte viele Ideen, die ich umsetzen konnte. Meine Schnittmuster bei farbenmix.de wurden gut verkauft. Es lief einfach. Die ganze Welt um mich herum war bunt und alles drehte sich ums Nähen. Aber es gab auch Nachteile. Das alles spielte sich in unserem Haus ab. Wohnen und arbeiten unter einem Dach. Ich habe manchmal wochenlang unser kleines Dorf nicht verlassen. Heute muss ich jedes Wochenende unterwegs sein.

3- Kannst du uns beschreiben, wie sich die Nähbloggerwelt aus deiner Sicht seit 2008 verändert hat? Gab es da verschiedene Phasen? Was ist der Einfluss der sozialen Medien?

Mir sind es im Laufe der Jahre einfach zu viele Nähblogs geworden. Ich kann und will gar nicht überall dabei sein. Interessante Leute finde ich durch Zufall meistens auf Facebook oder Instagram. Es gibt inzwischen so viele Stoffdesigner, Schnittmusterersteller, Ebookverkäufer usw. Mir ist das alles zu viel. Ich will auch meine Zeit nicht nur im Netz verbringen. Viel lieber sitze ich an der Maschine und nähe.

4- Trauerst du den „alten Zeiten“ hinterher oder gehört es für dich dazu, dass sich auch die Nähszene verändert hat und verändern wird?

Nein, ich trauere den alten Zeiten nicht hinterher. Ich bin ein Mensch, der nach vorne schaut. Es war in allen Jahren immer irgendwie schön und spannend. Ich habe mich verändert, die Welt um mich herum hat sich verändert. Ich habe jetzt einen kleinen Laden, in dem ich Stoffe, selbst genähte Unikate und Schnittmuster verkaufe. Ich gebe Nähkurse und Workshops. Früher war alles kleiner und geselliger. Das Nähen hat in den Jahren noch mehr an Zuspruch gewonnen. Viele, vor allem junge Näherinnen sind dazu gekommen. Allerdings haben auch Neid und Missgunst zugenommen.

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5- Orientierst du dich heute mehr an der aktuellen Mode? Deine Inspirationsbilder bei Facebook sind ja meist sehr aktuell und deine Werke modischer/ moderner als vor ein paar Jahren. Welcher Wandel hat sich da bei dir persönlich vollzogen?

Ich bin älter geworden. Das bunte, wilde Farbenspiel mag ich an mir nicht mehr. Ich bin modisch sehr interessiert und schaue stets nach schönen Designs. Genau so wähle ich die Stoffe aus, die ich in meinem Laden verkaufe. Ich kaufe nur Stoffe und Schnittmuster, die mir zu 100 % gefallen. Ich achte auch sehr auf Qualität. Das war vor einigen Jahren noch nicht so. Ich merke, dass ich damit auch genau die Frauen in meinem Alter, 40+ anspreche.

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6- Auf deinem Blog kann man nicht kommentieren. Warum und war das schon immer so?

Das mag jetzt eventuell eingebildet klingen, aber ich lege nicht so viel Wert darauf, ob anderen Leuten meine genähten Sachen gefallen. Ich nähe das, was mir gefällt. Ich habe früher sehr viel Zeit vor dem Rechner verbracht, um all die Fragen nach jedem Blogpost zu beantworten. Es wurde einfach zu viel, deshalb habe ich die Kommentarfunktion ausgestellt. Viele treue Leser haben mir dann geschrieben, dass sie das sehr schade finden und gern doch einen Daumen nach oben zeigen möchten. Das habe ich dann wieder eingerichtet.

7- Welche 3 Blogs liegen dir besonders am Herzen?

Komischerweise kein Blog, der etwas mit nähen zu tun hat. Ich schaue mir unwahrscheinlich gern schöne Fotos an und die finde ich bei Las Cositas de Beach & Eau. 

Außerdem mag ich Skandinavien und alles was mit dekorieren zu tun hat. Viele tolle Ideen finde ich bei Kasparas Regnbue.

Auf dem Blog von Biancas Wohnlust finde ich alles, was das Leben schöner macht.

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Was für eine bewegende Geschichte! Vielen Dank, dass du uns so offen darüber erzählt hast. Deinen Laden möchte ich irgendwann mal in echt durchstöbern, der sieht sehr einladend aus.
Vielen Dank auch für die schönen Blogtipps! Es müssen nicht immer Nähblogs sein. Je abwechslungsreicher die persönliche Blogliste, desto spannender. Dana findest du bei Instagram unter @danalubke und bei Facebook.
Und welchen Lieblingsblog hast du, liebe Leserin, außerhalb der Nähszene?

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5 thoughts on “Nach vorne schauen und Veränderungen annehmen – Dana, „die Komplizin“ im Interview

  1. Liebe Elke,

    was für eine wunderbare Reihe: Mir gefallen diese Posts mit den Gedanken zum Bloggen sehr und ich finde mich in manchem wieder. Ich gehöre selber erst seit letztem Jahr zu den Bloggern. Davor war ich eher die stille Teilhaberin und habe lange gezögert (will ich tatsächlich im Netz präsent sein?). Meine Motivation war letztlich der Austausch mit anderen, die die gleiche Begeisterung teilen. Und obwohl ich schon über 30 Jahre nähe, habe ich in diesem Jahr durch den Austausch so viel dazu gelernt! Dieser Austausch bietet sich mir im Alltag leider nicht -ich bin in meinem Bekannten- und Freundeskreis weit und breit die einzige, die näht.
    Ich bin ja ein Winzling unter den Bloggern, aber ich freue mich nach wie vor über jeden einzelnen Kommentar und empfinde es als Bereicherung, so viele neue, nette, anregende Bloggerbekanntschaften gemacht zu haben.

    Vielen Dank also für deine inspirierenden Beiträge – ich hoffe, dass du die Lust am Bloggen noch lange nicht verlierst.

    Herzliche Grüße
    Friedalene

  2. Dein Artikel hat mir sehr gefallen,liebe Elke, es war sehr interessant, über Dana etwas zu erfahren.Ich habe auch oft in ihrem blog gelesen, ihre Kreativität bewundert und mich gleichzeitig gewundert, warum man nicht bei ihr kommenteiren kann.
    Ich finde es sehr schön, wenn jemand bei mir kommentiert oder mir Tipps gibt.
    Du fragst, welche blogs uns gefallen…da fällt mir sofort Tante Malis blog ein ….hier der link…http://tantemalisgartenblog.blogspot.de/
    einfach erfrischend anders , tolle Fotos und mit viel Herz geschrieben.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir Miri

  3. Danke, Dana, für den Einblick – ich habe Traumschnitt immer nur am Rande verfolgt, weil sehr bunt nicht so mein Geschmack ist, und habe gar nicht mitbekommen, was mittlerweile daraus geworden ist. Und letztlich hat ja auch das Bloggen die ganzen Jahre (und die viele Zeit und Arbeit, die du dafür investiert hast) den Grundstein für deinen Laden gelegt, das ist wirklich toll.
    Und schön finde ich auch, dass sich hier in den Kommentaren so viele Neubloggerinnen outen – Bloggen ist also doch noch nicht tot 😉

  4. Vielen Dank für den tollen Beitrag. Gerne würde ich Schneidern lernen, da ich nun Schwangerschaftsurlaub und daher auch viel Zeit habe. Leider bin ich relativ unerfahren, doch bin froh zahlreiche Anweisungen online zu finden.

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