Am meisten Spaß macht Instagram – Annika von Näh-Connection im Interview

Die spannendsten Geschichten kommen doch immer wieder aus dem Leben. Das haben die Interviews der letzten drei Wochen gezeigt. Heute geht es genauso spannend weiter mit Annika vom Blog Näh-Connection. Wir hatten schon mehrere Berührungspunkte z.B. beim Projekt „Nähblogger für Flüchtlinge“ bei denen ich Annika als unermüdliche, energiegeladene Person kennengelernt habe.

In dieser Interviewreihe geht es mir darum, unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema „Veränderungen in der Nähbloggerlandschaft“ zu zeigen. Mir war es wichtig, Annika mit einzubeziehen, weil sie schon seit einigen Jahren sowohl in der deutschen, als auch in der internationalen Bloggerlandschaft aktiv ist.

Sie hat schon an diversen internationalen Nähwettbewerben teilgenommen (und auch schon gewonnen) und hat einen guten Draht zu verschiedenen Schnittdesignern, weil genau das wichtig für ihren Shop ist. Denn dort verkauft sie deren Schnittmuster, die sie vorher selbst übersetzt hat. Ein Konzept, von dem beide Seiten profitieren können.

Liebe Annika, vielen Dank für deine Zeit und dafür, dass du uns an deiner Perspektive teilhaben lässt.

1. Annika, für mich bist du eine tolle Schnittstelle zwischen „der“ deutschen und internationalen Bloggerszene. Wobei… wie definiert sich eigentlich „die internationale (Näh)Bloggerszene“ für dich? Konzentrierst du dich auf eine bestimmte Region oder Sprache?

Mein Hauptaugenmerk liegt neben deutschen Blogs ganz klar im englischsprachigen Raum. Ich hab in der 7. Klasse leider den Fehler gemacht, Latein statt Französisch zu wählen. Später hab ich dann zwar selbst Italienisch gelernt und kann auch einige andere Sprachen halbwegs lesen bzw. verstehen (Spanisch, Französisch, Holländisch und skandinavische Sprachen), aber wenn ich einen englischen Blog lese, ist mir eben gar nicht mehr bewusst, dass das eine andere Sprache ist. Aufgrund meiner eigentlichen Arbeit als Wissenschaftlerin an der Uni München bin ich täglich von Englisch umgeben und, auch wenn mein Englisch nicht perfekt ist, so muss ich doch nicht nachdenken, wenn ich einen englischen Text lese oder selbst auf Englisch schreibe. Dementsprechend sind die meisten fremdsprachigen Blogs, denen ich folge, englischsprachig. Doch ich habe auch viele andere abonniert: einige italienische, französische und spanische, aber v.a. ganz viele belgische. Wirklich, wer richtig tolle Blogs sucht, wird im belgischen oder holländischen Raum sicher fündig!

2. Nutzen die Blogger und Fans auf die du dich international konzentrierst ihre Blogs und Social Media genauso wie wir hier in Deutschland oder beobachtest du da Unterschiede?

Teils, teils. Blogs sind eigentlich sehr ähnlich. Zumindest kleinere bis mittlere. Dort wird gezeigt, was man genäht hat, vielleicht auch mal was Privates erzählt usw. Größere Blogs und solche, die wirklich Geld damit verdienen, dagegen posten praktisch zu 99% Tutorials, kostenlose Schnitte, Tipps etc. Hier wird ganz stark darauf geachtet, den Followern Mehrwert zu bieten.
Instagram würde ich sagen wird auch sehr ähnlich wie bei uns genützt. Viele Bilder von Genähtem, ein bißchen was Privates, ein paar Einblicke „Behind the Scenes“. Dabei wird, von manchen mehr, von manchen weniger, Wert darauf gelegt, dass die Bilder schön sind und sich eine Art Thema durch den Account zieht.
Facebook dagegen wird je nach Blogger sehr unterschiedlich genützt. Kleinere Blogger nützen es wie wir: Einfach mal ein Link zum eigenen, neuen Post, mal ein Gewinnspiel etc. Größere Blogger dagegen posten mehrmals täglich, manche alle 2 Std. Dabei sind Links zu allen möglichen Tutorials, kostenlosen Schnitten, witzige Sprüche, Videos etc. Und zwar nicht nur vom eigenen Blog, sondern von ganz verschiedenen Blogs. Auf diesen Seiten geht es ganz klar darum, die Follower zu unterhalten, so mehr Reichweite zu erzielen und zu wachsen. Ist ein tolles Konzept, da der Blogger und die Follower profitieren – wenn’s nur nicht so viel Arbeit wäre.

Auch bei Pinterest ist die Herangehensweise je nach Blogger sehr unterschiedlich. Viele machen es so wie die meisten von uns: Einfach mal was pinnen, weil man sich das eben für sich selbst merken will. Große amerikanische Blogger dagegen legen einen viel größeren Wert auf das Soziale in pinterest und auf die Möglichkeiten, die einem viele Pinterest-Follower bieten. Da kursieren Zahlen wie 30-100 Pins jeden Tag! Dann wird man von den Pinterest-Algorithmen gepusht und die Followerzahlen schießen in die Höhe. Wieder gilt: Coole Sache, wenn nur nicht soviel Arbeit dranhängen würde…Über andere Kanäle kann ich wenig sagen, da ich da selbst nicht aktiv bin.

 

3. Man kann dir und deinem Blog über facebook, Instagram oder Pinterest folgen. Welchen dieser Kanäle magst du am liebsten und warum? Kannst du dir vorstellen zukünftig noch auf weiteren Kanälen aktiv zu sein?
Am meisten Spaß macht mir definitiv Instagram. Das ist für mich einfach das interaktivste. Nirgendwo kriegt man so viele Kommentare – und nirgendwo kommentiere auch ich so gern wie auf IG. Außerdem ist der Fokus auf Bilder bei unserem „Metier“ echt ne feine Sache. So kann man schnell mal was zeigen, ohne dass man gleich einen Blogpost schreiben muss.
Facebook ist für mich eine zweischneidige Sache. Ich LIEBE meine Facebookgruppen, wo ich mich mit meinen Botschaftern oder meinen internationalen Freunden austausche. Meine Näh-Connection Facebookseite nütze ich ehrlich gesagt in Schüben. Manchmal hab ich total Bock drauf und poste ganz viel, manchmal tut sich ein oder zwei Wochen kaum was. Pinterest nütze ich bisher mehr zum Spaß und finde es dafür wirklich super. Es gibt einfach nichts, was es auf Pinterest nicht gibt.
Eigentlich bin ich auch auf Snapchat, Twitter und sogar Periscope angemeldet. Twitter find ich aber einfach zum Gähnen langweilig und Snapchat ist zumindest bisher einfach nicht meins. Das mag aber auch an unserer amerikanischen Austauschschülerin liegen, die mir regelmäßig zeigt, was für bescheuerte Filter man mit snapchat über Portraitbilder legen kann. Was daran toll sein soll, so bescheuert wie irgend möglich auszuschauen, erschließt sich mir einfach nicht. Dafür bin ich wohl zu alt.

4. Kannst du dir auch vorstellen mit Videos zu arbeiten? Ich denke da an den Klassiker Youtube aber auch an die neueren Plattformen wie Snapchat oder Livestreaming über Periscope, was in der amerikanischen Profibloggerszene ja schon recht beliebt ist.

Wie gesagt, auf Periscope bin ich bereits angemeldet. Seit Ewigkeiten will ich da auch mal ein Video machen. Ideen hätte ich genug. Aber man muss dann halt wieder ganz von vorne anfangen. Interessanter find ich da die facebook live Variante. So kann ich den Followern, die ich bereits habe, mal was Neues bieten. Das möchte ich unbedingt mal ausprobieren. Toll an den live Sachen ist, dass die Leute direkt kommentieren können und man direkt antworten kann. Das ist aber auch gleichzeitig der Nachteil. ich find’s ja schon ein bißchen nervig, wenn ich ein Video von Anfang an anschau und erst mal 5 Minuten begrüßt wird, weil ja vielleicht noch mehr Leute reinklicken.

naehconnection

 

5. „Ach, hätte der Tag doch 48 Stunden“ höre und lese ich häufig. So wie ich dich bisher kennengelernt habe bist du in verschiedenen Gruppen engagiert und baust dazu deinen Schnittmustershop immer weiter aus, hast eine Familie, Eigenheim, Mann… Wünschst du dir auch mehr Stunden für jeden Tag? Wie hältst du dich gesund und motiviert für die Arbeit, die dein Business und der Rest deines Lebens mit sich bringt?

48 Stunden? Wie wär’s mit 72? Ja, ich hab definitiv viel zu wenig Zeit. Mein Kopf ist irgendwie diese nie versiegende Quelle an Ideen und ich schaff es einfach nur einen Bruchteil davon umzusetzen. Oftmals denk ich: „Och Menno, das und das und das hab ich wieder nicht geschafft.“ Dann muss ich mich immer wieder dran erinnern, wie weit ich schon gekommen bin. Ja, ich hab noch große Ziele, aber ich bin auf einem guten Weg. An Motivation fehlt es mir wie an den Ideen nie. Die Zeit ist da wirklich eher das Problem. Wie so viele hab auch ich immer wieder das Gefühl, nichts richtig zu machen: Das Haus versinkt im Chaos, die Kinder wollen unbedingt Wasserfarben malen und ich hab doch für morgen zugesagt an einer Blogtour teilzunehmen, für die ich noch nicht mal genäht, geschweige denn fotografiert und den Blogpost geschrieben habe. Nicht alles geht sich immer aus, aber meist klappt’s doch irgendwie. Was meine Gesundheit angeht: Das ist im Moment ehrlich gesagt ein ständiges Auf- und Ab. Eigentlich bin ich ein sehr gesunder Mensch, aber seit Anfang Juni schlepp ich eine Mandelentzündung mit mir rum, die einfach nicht weichen will. Das mag zu einem gewissen Grad schon ein Zeichen sein, dass ich etwas langsamer tun muss, aber vielleicht hätt’s mich auch sonst getroffen. Seit ich diese Mandelattacke hab, kann ich leider auch keinen Sport machen, da mich selbst ein kurzes Stück den Berg hoch vom Kindergarten heim anstrengt. Ansonsten versuch ich aber normalerweise 1-3x pro Woche Sport zu machen. Dabei mach ich zu Hause etwas Bodyweighttraining*, geh joggen und bin in einer Zumbagruppe bei uns in dem Dorf. Wir sind eine völlig tanzunbegabte Gruppe, die von einer Kolumbianerin mit unendlich viel Energie und Power trainiert wird. Es schaut völlig unmöglich aus und macht einen Heidenspaß 😀

6. Aufmerksamkeit ist die neue Währung. Es ist heutzutage so einfach sich mit anderen (Bloggern) zu vergleichen. Nicht, dass man sich früher nicht verglichen hätte aber es gibt heute so viele zusätzliche Messwerte: wer hat wie viele Likes, Follower, Leser, wie viele Posts pro Woche veröffentlicht, wie viele Klicks und Kommentare bekommen … welche Art der Kommentare. Selbstzweifel kommen auf. Wie gehst du damit um?

Puh, das ist wirklich eine schwierige Frage. Ich würde lügen, wenn ich jetzt sag, dass ich nicht mal bei anderen Schnittdesignern nachschaue, wie viele Follower die denn nun haben. Gleichzeitig lass ich mich davon jedoch nicht runterziehen. Ich seh das eher als Ansporn. Wenn ich mit meinen soundsovielen Followern soviele Schnitte verkauf, wie viele verkauf ich dann, wenn ich erst mal so viele Follower hab wie die? Einfacher Dreisatz. Und dass ich irgendwann auch so viele hab, daran glaub ich einfach mal: Ich kann hart und motiviert arbeiten, hab tolle Nähmädels und arbeite mit den besten Designern zusammen – was soll da schief gehen? Du merkst vielleicht schon: Ich bin ein absoluter Optimist, aber da selbst mein Mann, der eher ein zum Pessimismus neigender Realist ist,  inzwischen glaubt, dass ich irgendwann meinen normalen Job aufhören und nur noch den Shop machen kann, bin ich umso zuversichtlicher.

 

7. Hast du schon mal den Gedanken gehabt alles hinzuschmeißen und wieder nur für dich im stillen Kämmerlein zu nähen? Bist du schon mit dem Thema Blogger Burnout in Berührung gekommen?

Hmm, Blogger Burnout eigentlich nicht. Ich wüsste so vieles, das ich gern auf dem Blog machen würde, über das ich schreiben und das ich zeigen wollte. Allein mir fehlt wirklich die Zeit dazu. So läuft der Blog halt etwas auf Sparflamme, aber immer mal wieder nehm ich mir die Zeit und schreib dann am liebsten gleich mehrere Posts auf einmal vor.

Für mich allein nähen? Ich zeig ja wirklich bei Weitem nicht alles, was ich nähe, auch auf dem Blog. Aber ganz ohne Blog? Ne, das könnt ich mir nicht mehr vorstellen. Nicht nur weil ich durch das Nähen und den Blog plötzlich eine ganze neue Jobperspektive habe, die nicht von Zeitvertägen, 4h Pendeln am Tag und ätzenden Kommentaren mancher Kollegen geprägt ist. Nein, v. a. auch deshalb, weil ich durch’s Bloggen unglaublich viele tolle Frauen kennengelernt habe. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch in vielen weiteren europäischen Ländern, sowie in USA, Canada, Australien, Japan etc. Viele durfte ich bereits persönlich kennenlernen und sie alle sind von einer großen Freundlichkeit und Herzlichkeit  geprägt, die mich einfach glücklich macht. Unseren letzten Urlaub haben wir in Andalusien im Haus einer spanischen Bloggerin verbracht. Diesen Sommer kommt sie mit ihrer Familie im Gegenzug in unser Haus während wir unser Zelt packen und vielleicht in Holland, Belgien, Dänemark, Italien oder Frankreich andere Bloggerfreunde treffen (abhängig vom Wetter). Das ist doch einfach klasse. Diese Freundschaften lassen die Welt plötzlich so klein werden! Sie sind für mich das Wichtigste an der ganzen Bloggerei und auch der Grund, warum ich sicher weiterblogge.

 

8. Welche 3 internationalen Blogs findest du am inspirierendsten? 

Drei? Ernsthaft? Ich soll mich für drei Blogs entscheiden? Das ist unmöglich. Hmm, also okay.  Ich nehm jetzt einfach mal fünf Blogs aus fünf Ländern. Weniger geht nicht! Die Blogs sind gar nicht unbedingt super groß, denn die Größten kennt ihr vieleicht eh schon. Da ich selbst mich eher zu den Mamanäherinnen zähl, wird auch in diesen Blogs viel über Genähtes für Kinder berichtet, aber fast alle der Frauen nähen auch für sich selbst.

UK: Olu von Needle and Ted (http://needleandted.files.wordpress.com/): Olu hab ich bereits zweimal persönlich auf unseren Sew Social Meetings in Paris und London getroffen. Diese Frau ist sowas von cool und lässig. Einfach genial. Ihr Stil ist schwarz, dunkelblau und grau. Haremshosen und japanisch. Modern und edgy. Und so COOL!

Portugal: Ines von La Folie (http://lafoliesewingbooth.wordpress.com/) hab ich auch bereits bei London Sew Social kennengelernt. Eine witzige, warmherzige Person mit einem sehr ansteckenden Lachen. Sie näht schicke und moderne Sachen für sich, fröhliche, moderne und freche Mode für ihre Mädels.

Canada: Celina von Petit a Petit and Family (http://petitapetitandfamily.com/): An ihr geht in Sachen Style und Fashion kein Weg vorbei. Sie näht modern, frech, funky aus den tollsten Stoffen. Und das ganze fotografiert sie auch noch perfekt. Ihr Lieblingsmagazin ist das MILK Kindermodemagazin und so manche ihrer Blogposts stehen den Fotoreihen in diesem Heft nicht nach!

USA: Rachel von Stitched Together (http://stitched-together.com/): Wunderschön, zauberhaft, perfekt. Das sind die ersten Worte, die mir einfallen, wenn ich Rachels Kreationen beschreiben möchte. Wer ihr nicht dabei folgt, wie sie wunderschöne Sachen für ihre 4 Töchter und manchmal für sich und ihren Sohn näht, ist selbst schuld. Allein die Fotos, hach.

Holland: Saskia von Vera Luna (http://vera-luna.blogspot.de/): Saskias Blog ist klein und sie hat nicht oft Zeit etwas zu posten, aber wenn sie bloggt, dann bleibt mir jedes Mal der Mund offen stehen. Ihre coolen Jungssachen überzeugen stets durch besondere Details, die sie durch ihre tollen Fotos perfekt in Szene setzt.

Vielen Dank, liebe Annika, danke für das tolle Interview und natürlich die Blogtipps. Zwei davon hatte ich schon auf meiner Liste, die anderen drei sind jetzt hinzugekommen.

Es hat mich sehr gefreut und ich denke wir sind alle gespannt, wie es mit deinem Shop und deinen anderen Projekten weitergeht. Viel Erfolg!

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One thought on “Am meisten Spaß macht Instagram – Annika von Näh-Connection im Interview

  1. Ich bewundere Annikas Arbeit sehr und finde es beeindruckend, was sie bereits auf die Beine gestellt hat.

    Auf diesem Web eine gute Besserung!

    Liebe Grüße
    Paola

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