Was läuft im Kopfkino von Meike?

Heute ist wieder Kopfkino-Tag! Meike von crafteln wirft anhand der „Langen Liste der Schnittdesigner“ einen Blick zurück. Welche der Schnittanbieter aus der Liste haben sie bisher am meisten überzeugt und warum? Das Kinoprogramm liefert uns heute also eine Dokumentation. Ich bin sehr gespannt und gebe die Leinwand frei für Meike!

Was Meike gewählt hat

Hallo, ich bin Meike und blogge normalerweise auf crafteln.de. Als Elke mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, bei Ihr im Blog etwas über Schnittmusterlabel und deren Schnitte zu schreiben, stimmte ich sofort begeistert zu. Da ich unterrichte, wie Schnittmuster angepasst werden können und auch selbst Schnittmuster verlege, kann ich mittlerweile beurteilen, ob ein Schnittmuster gut gemacht ist und ob es lohnt, Geld dafür auszugeben.

Meine Kriterien für ein gutes Schnittmuster:

  1. Schnittteile passen zusammen und möglichst viele klug positionierte Passzeichen fügen sich quasi von selbst ineinander
  2. Mindestens eine technische Zeichnung ist vor der Kaufentscheidung sichtbar.
  3. Die Anleitung ist so verständlich geschrieben, dass alle, die sie nutzen wollen, sie auch nutzen können. Bilder oder Grafiken verdeutlichen das Geschriebene.
  4. Der Schnitt ist so konstruiert oder die Nähanleitung so ausgedacht, dass die Näherin bei jedem neuen Schnittmuster etwas dazu lernen kann.
  5. Das daraus genähte Kleidungsstück sieht auch aus langweiligem, einfarbigen Stoff toll aus
  6. In dem genähten Kleidungsstück kann ich mich gut bewegen, z.B. im Bus an der Stange festhalten, wenn er bremst.
  7. Zusatz-Features erhöhen den Mehrwert, z.B. wenn Linien zum Verlängern angegeben sind bzw. relevante Punkte wie Brustpunkt oder Taille durch Markierung oder Beschriftung leicht zu findenden sind.
  8. Je größer das Größenspektrum – umso besser. Allerdings nur, wenn der Schnitt auch bei verschiedenen Körperformen funktioniert (z.B. durch Abnäher oder Teilungsnähte). Bei Schnitten, die vermutlich an einer knabenhaften Figur besser funktionieren als bei Rundungen, werde ich skeptisch, wenn diese bis zu den Plus-Size-Größen angeboten werden.

Natürlich „kann“ nicht jedes Schnittmuster alles das, was ich mir von einem guten Schnittmuster erhoffe und jedes Label hat seine eigenen Schwerpunkte und Besonderheiten. Aber da auch die Preisgestaltung für Schnittmuster sehr unterschiedlich ist, lohnt es sich schon genauer hinzusehen, um gutes Geld für gute Arbeit zu investieren.

Aus der langen Liste habe ich mir vier Label herausgesucht, die ich euch gerne näher vorstellen möchte.

So! Pattern

Ein Schnittmuster, das ich wirklich rauf und runter genäht habe, ist Mono Lisa, ein Wasserfallshirt ohne Ärmel, von So! pattern. So! Pattern ist ein deutsches Label, dahinter steht die Schnittmusterdesignerin Stefanie Kroth, die Schnittmuster machen auch wirklich gelernt hat. Ihre Entwürfe sind raffiniert geschnitten und haben überraschende Details. So!-Kleidungsstücke funktionieren auch in uni! Die Schnittmuster sind modern ohne cool zu sein. Es macht Spaß, durch den Shop zu stöbern und Spaß, die Modelle zu tragen und zu nähen! Und was mir ganz persönlich gefällt: es gibt die Schnittmuster in sehr vielen Größen.

Named Pattern

Meine Nähfreundinnen nähen wie verrückt Schnittmuster von Named Pattern aus Finnland. Bei einem Nähtreff saß ich neben Frau Nahtzugabe und konnte live verfolgen, wie sie begeistert das Wenona Shirt Dress nähte. Die Anleitung schien so geschrieben zu sein, dass es auch einer erfahrenen Näherin wie Frau Nahtzugabe Freude bereitete, ihr zu folgen und Neues dabei zu entdecken. Das fertige Kleid sah nach Designerstück aus und ist etwas Besonderes, ohne schrill zu sein. Der Stil von Named ist modern, lässig und etwas ganz Besonderes. Auch wenn schnelle Erfolgserlebnisse manchmal toll sind, lohnt es sich doch, sich hin und wieder an ein komplizierteres Schnittmuster zu wagen! Leider gehen die Schnittmuster nur bis Größe 46 und ich vermute, das ist auch gut so. Obwohl ich wirklich unverfroren Schnittmuster vergrößere, bis sie mir passen, bin ich skeptisch, ob der Style von Named auch noch in meiner Plus Size Größe funktionieren würde. Das gibt in meinen Augen einen kleinen Punktabzug – aber toll finde ich die Designs trotzdem!

Schnittquelle

Schnittquelle ist ein deutscher Schnittmusterverlag, nachdem ich auch schon viel genäht habe. Ein Dauerbrenner in meinem Kleiderschrank ist das Kleid Ajaccio. Ich mag es, dass die Schnittmuster für sehr frauliche Figuren entworfen sind. Das hat für mich den Nachteil, dass ich die doch sehr starke Taillierung etwas korrigieren muß, weil ich einfach nicht so viel Taille habe. Aber das Schmeicheln der weiblichen Rundungen durch die Linienführung gefällt mir sehr. Die Schnittmuster sind leicht anzupassen oder zu vergrößern, da die Schnittbögen sehr gut beschriftet sind. Die Anleitung ist allerdings das Gegenteil: mit knappen Worten und ohne Bilder wird die Näherin durch das Projekt geleitet. Das mag für eine Nähanfängerin ohne Unterstützung durch einen Nähkurs wahrscheinlich zu wenig sein.

styleARC

Vom anderen Ende der Welt, aus Australien, kommen die Schnittmuster von styleArc. Ich hatte zu spät gemerkt, dass es möglich ist, PDF-Schnittmuster über Etsy zu bestellen, so musste ich ein paar Wochen warten, bis die Papierschnittmuster zu mir verschifft waren. Aber das Warten hat sich gelohnt. Ich habe den Nina Cadigan und das Marai Ponti Jacket genäht und war begeistert davon, wie perfekt die Schnitte konstruiert sind. Das zeigt sich für mich daran, dass es viele Passzeichen gibt, die an den richtigen Stellen sitzen. Wenn das gut gemacht ist, fügt sich ein Schnittmuster fast wie von selbst zusammen. Das ist für mich ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

 

Indie-Schnittmuster

Ich bin großer Fan von „Indie-Schnittmustern“, also von Schnitten, die von kleinen Labeln angeboten werden und das Angebot der altbewährten Schnittmusterverlage (von Vogue bis Burda) ergänzen. Trotzdem bin ich bei manchem Schnittmuster zu günstigem Preis skeptisch, denn Schnittdesign und -Gradierung ist Kunst und Handwerk und eine gute Anleitung schreibt sich nicht in fünf Minuten. Aber es ist einfach toll, welch große Auswahl es mittlerweile an Schnittmustern für Hobbyschneiderinnen gibt, da findet schon jede ihre Marken – die Idee, mit Hilfe einer kommentierten Liste für mehr Markttransparenz zu sorgen ist super. Danke, dass ich meinen Teil dazu beitragen durfte, Elke.

Wollt ihr mehr über meine genähten Kleidungsstücke und die von mir herausgegebenen Schnittmuster wissen, dann besucht mich gerne auf meinem Blog crafteln.de.“

 

Liebe Meike, vielen Dank für deine Gedanken zu den vier Schnittlabels. Deine Kriterienliste mag ich. Besonders Punkt 5. Für mich persönlich gilt:  #uniistdiebestefarbe. Hinter auffälligen Stoffen kann man einen Schnitt gut „verstecken“. Da hilft mir dann auch im Zweifel die technische Zeichnung. Bei burda blättere ich gerne durch, aber schaue mir die Schnitte, die mir gefallen könnten, noch mal hinten in den Zeichnungen genau an.

Die Lange Liste der Schnittdesigner mit über 300 Labels kannst du dir als PDF zukommen lassen, indem du dich gleich hier für den Newsletter anmeldest.

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2 thoughts on “Was läuft im Kopfkino von Meike?

  1. Die Kriterien gefallen mir, aber ich finde es schade, dass bei den „Indie Labels“ die Beispiele fehlen, es gibt sehr viele, das ist klar, aber es wirkt als wäre der Bereich nicht genauer betrachtet worden, sondern nur der Vollständigkeit halber erwähnt…
    Im Text schwingt leider etwas mit, dass ungelernte Designer beim Anleitung schreiben oder der Erstellung des Schnitts „huschhusch“ machen würden. Ich erlebe es, besonders in Probdnahdn so, dass die Schnitte korrigiert werden bis auch der letzte zufrieden ist, und die Anleitungen sehr detailreich sind. Das kann ich bei einigen der großen Labels nur anzweifeln. Während mir die Indie Schnitte in der Regel ohne Anpassung passen, muss ich bei Burda quasi neu konstruieren damit es sitzt…

  2. Lieben Dank für diesen schönen Gast-Post. So eine Jacke wie den Nina-Cardigan such ich schon eine WQeile. Da werde ich jetzt einkaufen müssen 😉

    Gruß Marion

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