Wie entstehen Trends und was machen wir daraus?

Als ich letztens meinen Einkaufswagen durch den örtlichen Lidl geschoben habe sah ich in der Aktionsware trendige Aufbügel-Flicken. Na, du weißt schon, die die man jetzt auf Jeans- und Militaryjacken trägt. „Ach guck“, dachte ich „gibt es die auch schon bei Lidl.“ Sprich, sie sind in der Masse angekommen. Sehen ja auch ganz cool aus und so landeten sie in meinem Einkaufswagen. Wäre doch was für auf meinen neuen Cardison.

Oder doch lieber was für die Kinder?

Wie lange wird dieser Trend mit den Stickereien anhalten? Eigentlich passt das auch nicht so richtig zu mir. Oder doch? Diese Stickereien in meinem Einkaufswagen haben mich dazu bewegt, mal etwas näher zu betrachten, woher Trends eigentlich kommen.

Dabei habe ich gelernt, dass ich entgegen meiner Erwartung, in manchen Bereichen ganz schön im Trend schwimme. Nicht bei Einhornschokolade, schulterfreien Rüschenblusen oder weißen Sneakers mit Fransen, aber definitiv beim Trend des „Weniger ist Mehr“. 

Wo kommen Trends her?

Modetrends entstehen wohl auf der Straße, entweder durch glamouröse Passanten in den Straßen der Metropolen oder aber im Gegenteil durch Subkulturen wie z.B. Punk oder Hip-Hop. Aber wie schafft es ein Nietengürtel von der Hüfte eines Punks zur Hüfte einer durchschnittlichen Hausfrau? Hier kommen Trendscouts ins Spiel, die nichts anderes tun, als auf der Straße zu recherchieren, was gerade „en vogue“ werden könnte. Ihre Erkenntnisse fassen sie zu Trendreports zusammen, die sie wiederum an Trendagenturen weitergeben. Hier holen sich Firmen und Designer Inspiration für ihre neuen Kollektionen. So erfährt man, was denn nun das neue Schwarz ist. Dann dauert es noch ca. 2 Jahre, bis die Kollektion in den Läden hängt und jeder sie kaufen kann.

Trendforscher sagen Trends voraus

Man kann viel Geld für die Berichte und Vorhersagen bekannter Trendforscher ausgeben. Modefirmen sind auf diese angewiesen, um möglichst den richtigen Cut und die richtige Waschung für die nächste Jeans-Kollektion zu haben. An den Lippen der Trendforscherinnen Li Edelkoort und Faith Popcorn hängen die wichtigsten Designer und Designverantwortlichen der größten Unternehmen. So kann man zum Beispiel einem Zeit-Artikel entnehmen: „Lidewij Edelkoort ist die wichtigste Trendforscherin der Welt.“

In diesem Interview sagt Frau Edelkoort unter anderem Folgendes: „Zu viel Auswahl wird in Zukunft immer unattraktiver werden. Schon heute produzieren die jungen Designer nur noch kleine Kollektionen. Die Menschen wollen weniger besitzen, das gibt ihnen ein Gefühl der Freiheit zurück.“

Ja, ich schwimme definitiv in diesem Trend. Das mag ich. Aber warum mag ich das und woher kommt das? Vermutlich wussten Trendforscher schon vor Jahren, dass ich mal so „enden“ würde. Und damit bin ich offensichtlich nicht alleine. Logisch. Sonst wäre es ja auch kein Trend.

Farbforschungsinstitut Pantone

Neben Trendforschern wie  Edelkoort und Popcorn gibt es zum Beispiel die große Farbvorhersage aus dem Hause Pantone. Die Pantone-Farbe des Jahres 2017: Greenery. Echt jetzt? Da bin ich raus. Oder doch nicht? Vielleicht hat sich mein Auge bis Dezember daran gewöhnt und ich nähe mir etwas in quietschgrün. Oder nicht, oder doch?

Pantone bringt nicht nur die eine „Farbe des Jahres“ heraus, sondern auch pro Saison eine ganze Farbpalette. So sieht sie für den Frühling 2017 aus:

Wie entstehen Trends ? Pantone Frühling 2017

Wie schön (und clever), dass etwas für (fast) jeden dabei ist. Ich freue mich ja über „Pale Dogwood“, was letztes Jahr noch unter „Rose Quartz“ lief und über „Island Paradise“, „Niagara“, „Lapis Blue“ und tatsächlich auch über „Pink Yarrow“. Die Farbe ist hier sowieso präsent durch meine Tochter und für den Frühling/ Sommer könnte ich mir ein Statement Piece in der Farbe vorstellen. Oder nicht, oder doch?

Google Fashion Trends Report

Das Thema Farben hätten wir geklärt. Welche Schnitte „dürfen“ wir denn diese Saison tragen?

Nicht überraschend bleiben uns die 80er noch ein Weilchen erhalten. Modeblogs und Kataloge zeigen uns viele Rüschen, Off-the-Shoulder, Schulterpolster (schluck…), Sportkleidung… Mehr dazu im Artikel: The ’80s Will Be The Biggest Trend of 2017, For Better or Worse.

Was Verbraucher aktuell und tatsächlich wollen wissen Google, YouTube und Pinterest am besten, denn wir verraten es ihnen täglich. Freiwillig. Unsere Sucheingaben sind ein Eldorado für Konsumforscher und Co. Was wir kaufen wollen, unsere Wehwehchen, unsere Sehnsüchte… So ist es für Google ein Leichtes, Suchergebnisse zu zu aussagekräftigen Berichten zusammenzufassen. Den Google Fashion Trends Report habe ich mir letztes Jahr schon mal durchgelesen, den für 2017 gibt es anscheinend noch nicht. Dafür ist das Jahr vermutlich noch nicht weit genug fortgeschritten. Der Bericht aus 2016 jedenfalls zeigte, dass in den USA und UK Biker Pants, Bomberjacken, Kimono Ärmel und Coatigans im Trend liegen, teils nur saisonal. Der neue „Cardison“ Jackenschnitt fasst die Themen Bomberjacke, Kimono und Coatigan irgendwie zusammen. Unbewusst ist das geschehen. Was wohl beweist, dass man sich Trends nicht wirklich entziehen kann. Ich trage meine 3 „Cardisons“ jedenfalls schon rauf und runter seit die Temperaturen wieder über Null gestiegen sind. Und bevor ich es vergesse: Den Schnitt für die Jacke gibt es jetzt endlich auch in Normalgrößen.

 

„Pinterest 100“ Vorhersagen

Mit dem „Cardison“ liege ich wider Erwarten im Trend. Mit der Farbe laut Pantone wohl nicht. Oder doch? Es gibt noch weitere Trendvorhersagen. Pinterest data shows what people want in 2017. Und da erfahre ich zum Glück, dass marine wieder in ist. Allerdings verstärkt im Wohnbereich. Der weiß-weiße skandinavische Look verliert offensichtlich an Boden. Ich will aber, dass „Navy“ auch in der Mode das neue „Black“ ist. Ich werde so lange danach suchen, bis ich es gefunden habe. Oder muss ich den Trend selbst setzen? Und dann die Erlösung: Navy is the new Black. Danke, Pinterest!

Somit kann ich also beruhigt meinen „Cardison“ aus dem kuscheligen leichten Sweat in der Trendfarbe „Navy“ tragen ;-). Petra von pepelinchen hat übrigens einen Cardison in der immer angesagten Farbe grau genäht. Denn letztendlich brauchen Trendfarben, sofern man sie trägt, eine „Leinwand“, einen Grund auf dem sie wirken können. Akzente in einer Trendfarbe sind toll. Die wenigsten wollen ja komplett in quietschgrün (Tschuldigung „Greenery“) herumlaufen, oder?

Was sagt uns Pinterest denn sonst für die Mode voraus? Glockenärmel sind mit einem Anstieg von 300% sowas von up and coming. Aber noch mehr im Trend: die eingangs erwähnten Aufbügler. Bügle ich mir nun doch ein paar Stickereien auf die Jacke, oder nicht oder doch?

Wer liegt nun im Trend?

Alle, die wir hier lesen und uns in Social Media mit Hashtags wie #selfishsewing bewegen, liegen sowas von im Trend des „Micro-Clanning„. Das bedeutet, dass Menschen sich aufgrund ihrer speziellen Interessen sowohl online als auch vermehrt offline zusammenfinden um sich auszutauschen und besser kennenzulernen. Hey, das Nähcamp liegt demnach schon seit 4 Jahren im Trend!

Trends hin oder her. Wichtig ist, dass wir uns selbst treu bleiben ohne dabei unsere Neugier auf Neues zu verlieren. Deswegen trage ich das, was ich trage auch gerne. Und deswegen habe ich mal was Neues ausprobiert. Eine Tunika, die ich jetzt schon sehr liebe. Zeitlos und doch modern. Ob schlicht und unaufdringlich oder als Statement Piece, unsere Entscheidung. Möglicherweise eine Leinwand für „Greenery“, „Pink Yarrow“, „Flame“ und Co?

Stoff Jacke: French Terry Sweat in marine von pepelinchen
Stoff Tunika: Georgio Leinen von pepelinchen
Schnittmuster Jacke: „Cardison“
Schnittmuster Tunika: coming soon
Schnittmuster Bikerleggings: „Cassie Pants“

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8 thoughts on “Wie entstehen Trends und was machen wir daraus?

  1. Ein schöner Querschnitt über Trends. Aber am besten gefällt mir dein Fazit.
    Deine Tunika gefällt übrigens auch sehr gut an dir. Und der Cardison passt auch gut dazu. Das hätte ich jetzt erstmal nicht so vermutet. Bisher hatte ich ihn gedanklich ausschließlich zu Shirt / Bluse und Hose gesehen. Aber zu was langem gefällt er durch aus. Liebe Grüße Miriam

  2. Liebe Elke, ich mag das so, wie Du schreibst – immer hat es auch mit dem Nähen und Selbermachen zu tun, aber Dein Blog ist so viel mehr als „nur“ zu zeigen, was Du so nähst. Danke für die Gedankenanstöße!
    Trends kann sich wohl fast niemand so ganz entziehen – beim Selbernähen ja noch am ehesten, wenn man Kleidung „nur“ kauft, muss man ja aus dem vorhandenen Angebot auswählen, beim Selbernähen kann man doch mehr selbst bestimmen. Ich denke aber, man merkt letztlich doch, ob jemand einem Trend folgt, weil er wirklich zu dieser Person passt, oder nur, weil es „in“ ist , was dann oft eher wie eine Verkleidung aussieht…

    Liebe Grüße, Steffi

    P.S.: Die Tunika gefällt mir auch seeeeeehr!

  3. Ein sehr spannender Artikel, liebe Elke. Ich glaube auch wenn man noch so sehr auf clean, auf Basics setzt geht man doch ein wenig mit dem Zeitgeist. Das habe ich festgestellt, als ich vor ein paar Monaten die Umstandssachen aus dem Keller geholt habe. Größtenteils von einer Freundin geerbt und daher acht Jahre alt ging ein Großteil der Sachen heute überhaupt nicht mehr. Ich hatte gar nicht in Erinnerung, dass die Hosen soooo ausgestellte Beine hatten! Die letzten Jahre der ewigen skinny Jeans haben mich da wohl doch nachhaltig geprägt.
    Aber das beste kam ja zum Schluss: ein neuer Tunikaschnitt? Wie toll! Dafür hätte ich direkt den passenden Stoff parat. Und stilltauglich ist es auch… Ich bin gespannt.
    Liebe Grüße, Lena

  4. Wunderschön geschrieben, liebe Elke!
    Die Gedanken kreisen wieder bei mir – bin ich nun eher der Trendfolger oder sind mir Trends eher egal? Entziehen können wir uns ihnen eh nicht.

    Deine Tunikabluse finde ich sehr schön und bietet den perfekten Rahmen für den Cardison. Dazu ein ItPiece in Pink – fertig 😉
    Liebste Grüße Dominique

  5. Ein spannendes Thema über das ich mir seit geraumer Zeit Gedanken mache. Denn oft beginnt ein Trend, der mir überhaupt nicht gefällt. Doch dann tragen immer mehr Menschen diese trendigen Teile und plötzlich will ich auch soetwas haben. Das gilt natürlich nicht für alles, aber eben Manches. Dinge, die mir aber gut gefallen, trage ich auch gern über das kurze Trendleben hinaus. Aber vielleicht ist das die nächste Frage zu Deinem Beitrag. Warum folgen wir Trends? Letztlich eine psychologische Frage die sich u.a. durch das eine Grundbedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit beantworten läßt.
    Liebe Grüße, Julia

  6. Greenery – oh je…. den Trend brauche ich wirklich auch nicht. Ist absolut nicht meine Farbe und auch wenn ich beim Stoffe aussuchen immer dran denken muss, dass nicht alles meins sein muss, – greenery gibt’s hier fast gar nicht! 🙂
    Marine dagegen ist toll – im Sommer sowieso! Und irgendwie auch nicht wegzudenken! Viel Spaß mit Deinem Cardison -der ist wirklich toll geworden!
    Und nun überdenke ich nochmal die Farben des Sommers 🙂
    Liebe Grüße
    Petra

  7. Sehr interessant. Ja – die Trends… Bomberjacken zB – 1. Gedanke schrecklich – gut nimmer rechts in khaki mit orangem Futter aber rechts – der Sohn – 12 Jahre alt – der die fürchterlich stylish findet und ok – erlaubt bei H& M in ganz schwarz kauft…. Puh! Die Tochter -7 Jahre – die so lange quengelt, bis ich die dunkelblaue mit kupferfarbenem Reissverschluss kaufe – auch mit PAtches drauf – besser als im Tarnlook und jetzt ich die überlege, die neue Ottobre zu kaufen, weil da dieser Schnitt drin ist oder doch Deinen Cardison – jetzt wo er auch mir passen würde – da ich klein bin. Oder doch Fritzi und Schnittreif’s Version oder sollte ich mal blättern in den bereits vorhandenen Zeitschriften und eigentlich mag ich es immer noch nicht so – bin nicht 100% überzeugt. Hach – sehr interessantes Thema. Da ich versuche, Stoffe abzubauen und Schnitte, die ich bereits besitze, zu nähen – bin ich noch standhaft. Mal sehen. ich liebe grün – aber greenery – puh – so nicht meins. Du hast recht, je öfter wir etwas hören, desto öfter es präsent -desto mehr gewöhnt man sich daran… Hm. Ich warte erst mal die Farbberatung vor dem Nähcamp ab und dann mal sehen… Bin ich dann klüger – ich hoffe…. Liebe Grüße

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