Waver Jacket | Work with what you have

„Ich will was nähen. Ich muss Stoff kaufen.“ Das ist die natürliche Reaktion einer Hobbynäherin bei neuen Projektideen. Aber Haaaaaaalt! Erst mal gucken, was wir noch da haben. Der Stoffvorrat muss schon mit großen Stücken bestückt sein, um spontan einen Mantel nähen zu können. Da ich schon öfter an der Stofflänge gescheitert bin, habe ich mir angewöhnt, bestimmte Stoffarten etwas großzügiger einzukaufen. Und tatsächlich hatte ich 3 verschiedene Stoffe zur Auswahl für eine Waver Jacket von papercut patterns in der langen Version. Ha, ich werde ab jetzt nur noch große Stoffstücke kaufen! Zumindest bei zeitlosen Stoffen. Aus den Resten kann ich immer noch etwas für meine Tochter nähen.

Die spontanen Ideen sind bei mir meistens die besten und dürfen nicht an mangelndem Material scheitern. Hätte ich nicht den passenden Stoff dagehabt, hätte ich bestimmt angefangen zu stückeln. Der Mantel, der vor meinem inneren Auge entstanden war, musste realisiert werden. Sofort. Die Idee kam mir, als ich auf papercut Seite herumgesurft bin. Auch wenn mich das Designbeispiel eher an einen Arztkittel erinnerte, sah ich etwas für mich darin. Der Schnitt war schnell gekauft und geklebt. Und dann kam ich ins Machen. Ich habe einfach gemacht und genäht und mich gefreut, so schön voranzukommen.

Schnittmusterdetails Waver Jacket

  • Raglanärmel
  • 2 Varianten (kurz mit Tunnelzug, lange Version gerade)
  • große aufgesetzte Taschen
  • Knopfleiste mit großen Knöpfen
  • Kapuze mit Mittelsteg
  • vollständig gefüttert

Größenauswahl

Gefühlt hätte ich mich in die Größe XS-S eingeordnet, aber die Tabelle sagte mir XXS obenrum, XS untenrum. Sicherheitshalber habe ich nach Designbeispielen gegoogelt und dort teilweise gelesen, dass der Schnitt wohl großzügig ausfällt. Nun muss ich dazusagen, dass ich einen sommerlichen Stoff vernäht und den Mantel nicht gefüttert habe, sonst würde er etwas knapper ausfallen.

Änderungen

Im Hüftbereich habe ich um 5 cm verlängert und den Mantel mit dem Tunnelzug der kurzen Jacke versehen. Die Taillenhöhe lässt sich durch den Tunnelzug versetzen, da der Schnitt an sich relativ gerade ist. Die Taillenhöhe habe ich erst festgelegt, als ich den Mantel anprobieren konnte. Entsprechend habe ich die Taschen dann auch etwas tiefer gesetzt.

Beim Zuschnitt habe ich den Mantel ab der Taille sicherheitshalber etwas weiter auslaufen lassen. Ca. 4 cm insgesamt.

Stoffempfehlung

Mittlere bis schwere gewebte Stoffe wie Baumwolle, Leinen, Wolle. Ich habe einen festen Baumwollleinenstoff vom Stoffmarkt verwendet und bin damit super zurecht gekommen. Leinen vernäht sich ja in der Regel sehr gut. Für einen derberen Look kann ich mir auch gut Canvas vorstellen.
Der Stoffverbrauch für die kurze Jacke liegt bei 2,50 m Hauptstoff plus 1,50 m Futterstoff. Für die lange Jacke ist die Angabe bei 2,90 m Hauptstoff plus 1,90 m Futterstoff.

Ich glaube ich hatte ca. 2,20 m Stoff zur Verfügung, der vermutlich recht breit lag, wie sonst bin ich nur mit so wenig Stoff ausgekommen? Vermutlich, weil ich die Innenkapuze aus einem anderen Stoff geschnitten habe. Der Futterstoff hat übrigens süße kleine Peacezeichen, die eigentlich als Futter für eine Chobe Bag gedacht waren, aber ich musste ja mit dem arbeiten, was ich da hatte. #workwithwhatyouhave

Passform

Mit der Passform bin ich soweit zufrieden. Wenn ich den Mantel bis obenhin schließe ist die Kapuze hinten etwas störrisch und ich zupfe dann manchmal daran herum bis ich zufrieden. Aber das ist glaube ich eher mein Pingelblick.

Nähanleitung

Die englische Anleitung ist sehr professionell gestaltet und jeder Schritt illustriert. Für mich sind keine Fragen offen geblieben. Anscheinend gibt es wohl eine Stelle beim Annähen des Futters, die nicht ganz eindeutig ist. Das habe ich zumindest bei meiner Recherche bei den Designbeispielen mal gelesen. Da ich meinen Mantel ohne Futter genäht habe kann ich das nicht beurteilen.

Kosten

MaterialKosten
Schnittmuster (PDF)20,00 NZD (ca. 13,00 Euro)
Stoff vom Stoffmarkt22,00 Euro (10,00 Euro/m)
Bügelvlies 1,99 Euro
Knöpfe und Band aus Omas Kiste0,00 Euro
 Total 37,00 Euro

Designbeispiele

What Katie Sews
LLadybird
magnificent thread
The Pug and Needle

Fazit

Während des Nähens hatte ich so meine Zweifel. Auf einmal erschien mir der doch so coole Stoff als langweilig. Ich habe dann probeweise den Raglanärmel mit dickerem Garn abgesteppt, aber auf dem jeansartig melierten Stoff fielen die Nähte nicht weiter auf und ich habe mir diesen Schritt einfach gespart.

Als der Mantel fertig war erschien er mir zu verspielt mit den Knöpfen, der Raffung in der Taille und dazu noch den kleinen Peacezeichen auf dem Futter der Kapuze… Aber da es an dem Tag geregnet hat, musste ich ihn draußen ausprobieren. Dass der Stoff einen richtigen Regen nicht abhält ist klar, aber als ich wieder nach Hause kam hatte ich mich schon komplett angefreundet mit meinem neuen Mantel. Und seitdem, Dank des deutschen Sommerwetters, habe ich ihn fast täglich getragen.

Ich trage die Ärmel gekrempelt, das sieht etwas lässiger aus und meistens trage ich ihn offen. Ich bin froh, dass ich ihn nicht gefüttert habe, ansonsten wäre er mir vermutlich zu warm gewesen.

Es hat sich gelohnt, spontan mit dem zu nähen, was ich gerade da hatte.

 









Keinen Blogpost mehr verpassen.

Erhalte per Email immer die neuesten Blogposts zugeschickt.

Powered by ConvertKit

4 thoughts on “Waver Jacket | Work with what you have

  1. Also bei mir ist es „Ich will nähen – verdammt, ich hab keinen Stoff und kein Geld (vernähe nur alte Kleidung und sowas, weil ich mir das Hobby sonst nicht leisten kann, und gerade bei keiner kleinen Körpergröße ist da natürlich nie viel Stoff dran…).“
    Daher habe ich erst gestern Oma gefragt, ob sie noch alte Bettwäsche loswerden will, da ich im NähFieber bin.

    Deine Jacke sieht einfach nur mal wieder perfekt aus – ich bin beeindruckt.
    Und so wie du ihn trägst mit den Ärmeln und offen, würde ich ihn wohl auch tragen. Wobei ich ja immer kurze Varianten brauche, weil ich so winzig bin 😉

    Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.