Wie entsteht ein Schnittmuster bei Elle Puls?

Entstehen Ideen bei dir schnell oder langsam? Bei mir nisten sich Ideen erst einmal eine Weile ein. Ich überlege immer (viel) länger als z. B. mein Mann, bevor ich mich für oder gegen etwas entscheide. Bei Entscheidungen wäge ich automatisch das für oder wider ab. So funktioniere ich einfach. Das nervt den ein oder anderen in meinem Umfeld. Die Kinder: „Mama, jetzt sag doch endlich, ob ich darf oder nicht!“. Die Kellner (von einem Fuß auf den anderen wechselnd): „Und die Dame? Haben Sie sich für eine Speise entscheiden können?“. Mich: „Mann Elke, entscheide dich doch endlich mal für einen Stoff!“.

Diese Charaktereigenschaft findet sich natürlich auch in meinem Blogbusiness wieder. Beim „Chobe“ Ebook war es zum Beispiel so, dass der Prototyp ganz spontan innerhalb kürzester Zeit entstanden ist, es aber über ein Jahr gedauert hat, bis ich mich dazu entschloss, ein Ebook daraus zu machen. Entscheidungsfindungen sind eine spannende Sache und ich finde es immer wieder erstaunlich, wie spontan sich andere Menschen entscheiden können. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr von dieser Entschlossenheit, die ich bei anderen Menschen beobachte. Andererseits sind meine besten Blogartikel immer die, über die ich am meisten nachgedacht und recherchiert habe. Diesen, den du gerade liest, hatte ich erst in einer anderen Version geschrieben, als mir ein Podcast in die Quere kam und ich ihn wieder umschmeißen musste.

CliftonStrengths Finder

Als alter Podcast-Junkie höre ich unter anderem den Podcast von Facebook-Marketing-Expertin Katrin Hill. Bei Katrin habe ich dieses Jahr einen Facebook-Kurs mitgemacht und die Anfänge ihres Podcasts mitverfolgt. Jedenfalls ging es in Episode Nr. 23 „Hinter meinen Business-Kulissen“ unter anderem darum, wie Katrin mithilfe des „Clifton Strenghts Finders“ ihre Stärken (bestätigt) gefunden hat. Ich war hellwach als ich das gehört habe, weil ich bisher nie so richtig meine Stärken definieren konnte. Immer wenn ich es versucht habe, wusste ich vorher wie nachher ziemlich genau, was ich nicht kann, aber nicht was ich wirklich gut kann. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich von allem ein bisschen kann, aber nichts in ausgeprägter Form. Gemessen habe ich mich oft an dem, was in unserer Gesellschaft als erstrebenswerte Stärken dargestellt werden. Extrovertiertheit, Schönheit, Schnelligkeit, Schlagfertigkeit, Entschlussfreudigkeit, körperliche und rhetorische Stärken,… you name it. Meine Wesensart bewegt sich eher am anderen Ende der Skala, weshalb ich meine Charaktereigenschaften daher oft als Schwächen wahrgenommen habe.

Den Clifton Test habe ich natürlich gemacht (ganz spontan, übrigens) und beim Lesen der Ergebnisse habe ich immer wieder mit dem Kopf genickt. Und mich gleichzeitig gefragt, wann sie denn endlich kommen, meine Stärken. Dabei enthalten genau die Zeilen, die mich am besten beschreiben, meine Stärken. Anhand des Testergebnisses kann ich also die Liste meiner Schwächen hernehmen, die Überschrift „Schwächen“ durchstreichen und durch „Stärken“ ersetzen. Interessant. Es kommt wohl nur darauf an, auf welche Seite der Medaille man schaut.

Meine Stärken

Bevor ich weiterschreibe, zitiere ich mal die Kurzfassung meiner 5 Stärken laut dem „Clifton Strengths Finder“:

1- Behutsamkeit:

Menschen mit einer stark entwickelten behutsamen Vorgehensweise kann man an der Ernsthaftigkeit identifizieren, mit der sie Entscheidungen treffen. Schwierigkeiten erkennen sie bereits im Voraus.

2- Wissbegier:

Menschen mit einer stark ausgeprägten Wissbegier lernen für ihr Leben gerne. Sie interessieren sich mehr für den Lernprozess als solchen als für das Lernergebnis.

3- Intellekt:

Menschen mit einem stark entwickelten Intellekt sind geistig aktiv, beobachten sich selber gerne und schätzen Diskussion mit intellektuellem Anspruch.

4- Leistungsorientierung:

Menschen mit einer stark ausgeprägten Leistungsorientierung verfügen über Durchhaltevermögen und sind in der Lage, ausdauernd zu arbeiten. Produktives Tätigsein verschafft ihnen eine tiefe Befriedigung.

5- Analytisch:

Menschen mit einem stark ausgeprägten Talent für analytisches Denken sind ständig auf der Suche nach Gründen und Ursachen. Sie machen sich ein genaues Bild sämtlicher Faktoren, die eine bestimmte Situation beeinflussen könnten.

In der App sieht das so aus:

Damit in der kreativen Szene?

Da sitze ich nun mit meiner „Diagnose“ und frage mich, wie ich mit diesen Stärken in der  kreativen Nähbloggerwelt gelandet bin. Aber doch, es passt schon. Nähen und Bloggen kann man wunderbar alleine hinter verschlossener Tür machen. Ich kann alles zig mal überdenken ohne jemanden damit zu nerven, weil ich selten laut denke. Nicht umsonst schreibe ich über Stilfindung und eine vernetzte Garderobe, denn darüber kann ich wunderbar sinnieren und das Für und Wider abwägen.

Dass das nicht jedermanns Sache ist, weiß ich, aber genauso wie ich mich von anderen Charaktertypen inspirieren lasse, hoffe ich, dass der ein oder andere sich auch von meiner Herangehensweise etwas mitnehmen kann. Ich lese und höre gerne von Menschen, die ähnlich ticken wie ich, finde aber oft die meiste Inspiration bei Menschen, die ganz anders sind als ich.

Zitat aus dem Text zur Eigenschaft Behutsamkeit: „Sie sind von Natur aus zurückhaltend. Sie behalten Ihre Gedanken lieber für sich. Wenn die Situation jedoch eine Konversation erfordert, können Sie gesprächig und gesellig sein.“

Der Blog ist für mich eine gute Möglichkeit, mehr von meinen Gedanken preiszugeben. Ich bin mit der Zeit da hineingewachsen und möchte das Bloggen auch nicht missen. Und nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich arbeite gerne mit viel Ruhe hier zuhause, fühle mich aber auch in Gesellschaft sehr wohl und genieße sie.

Jetzt habe ich ganz schön weit ausgeholt um zu erzählen, wie bei mir aus einer Idee ein Ebook wird, aber die vorhergehenden Gedanken finde ich passend.

Ein Bild steht am Anfang

Jedem Schnitt geht bei mir etwas Visuelles voraus. Ich sehe ein Kleidungsstück auf einem Bild oder live an einer Person und ein oder mehrere Details bleiben haften. Besonders praktisch ist es, wenn das bei Pinterest geschieht, weil ich mir das Bild dann gleich auf eine Pinnwand heften kann.

Wenn mir das auf der Straße passiert wird es schon schwieriger, weil ich nicht der Typ bin, der sagt: „Halt, Stopp, Entschuldigung, darf ich mal eben Ihre Bluse aus 4 verschiedenen Blickwinkeln fotografieren?“.

Diese Inspirationen sind wie ein Nest voller Eier, auf dem ich dann brüte. Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass manches Windei oder faules Ei dabei ist. Nicht jedes Ei ist befruchtet und so schlüpfen am Schluss viel weniger Küken als Eier im Nest lagen. Perfekt. Denn für mich sind die Ideen die besten, die mir immer wieder in den Sinn kommen. Und aus denen schlüpfen dann am Ende die Ebooks. Deswegen gibt es bei mir auch nicht so viele Ebooks.

 

Die Idee

Was mir an einem Shirt, das ich mal gesehen habe, gut gefiel war die Art, wie es im Half-Tuck-Look drapiert ist, halb in die Hose gesteckt. Das sieht immer lässig aus, aber da ich meistens Biker-Leggings trage funktioniert das nicht so gut. Mit dieser Knotenversion bekomme ich einen ähnlichen Look, ohne dass ich mir das Shirt in die Hose stecken muss. Diese Cutouts an der Schulter wollte ich schon länger mal ausprobieren. Meine Schnittdirektrice stand mir mit Ihrer Expertise zur Seite und hat den Schnitt ausgearbeitet. Momentan arbeiten wir noch daran, dass der Saum nicht so hängt.

Probestück

Das erste Probestück lasse ich mittlerweile immer nähen, damit es schneller geht. Dann werden die ersten Änderungen vorgenommen. Erst dann nähe ich selber ein Probeteil um die Nähschritte auszuarbeiten und fehlende Markierungen etc. noch einzufügen.

Ich trage das Probestück dann eine Weile um zu sehen, ob es sich für mich im Alltag bewährt. Das zweite Probestück habe ich im Sommer sehr oft angehabt und trage es gerne. Da ich im Sommer zeitgleich die Idee mit der Nähcamp-Tour hatte, landete der Schnitt aber erst einmal in der Schublade.

Variationen

Mir war von Anfang an klar, dass die Cutouts nicht jedermanns Sache sein werden und so wird es das Shirt auch mit normalem langen Ärmel geben.

 

Probestück in Variationen und Größen

Für diesen Schnitt lasse ich zum ersten Mal auch ein Probestück in einer größeren Größe nähen und anprobieren, damit nicht nur in der kleinen Größe eine Passformkontrolle live stattfinden kann. Es ist bei den Probenähen, die ich bisher hatte, immer schwierig gewesen anhand von Fotos die Passform zu beurteilen. So kann ich gemeinsam mit meiner Schnittdirektrice den Schnitt schon viel weiter verfeinern bevor er dann zum Designnähen in die Gruppe geht.

Nähanleitung schreiben

Die Probestücke dienen auch der Nähanleitung, die ich meist in einer Rohversion für die Probenäher mitgebe. Während getestet wird arbeite ich das Feedback gleich in die Nähanleitung ein und muss evtl. auch Schritte noch mal neu fotografieren. Die Schnittteile werden in dem Schnittprogramm „Grafis“ angelegt und dann an mich geschickt. Ich stecke dann noch mal viel Arbeit hinein, damit du später einen Schnitt hast, bei dem du Größen ausblenden kannst, jede Größe in einer anderen Farbe angelegt und alles ordentlich beschriftet ist. Ich bin sehr froh, ein so zuverlässiges Probenähteam zu haben, das mir ehrliches und detailliertes Feedback gibt. Denn nur so kann das Produkt wirklich verfeinert werden.

Designnähen

Ich freue mich sehr auf das Designnähen mit meinem Team. Auch hier werden wir noch auf die Passform schauen, aber ich hoffe einfach, dass durch die Vorabkontrollen weniger Beispiele genäht werden müssen und damit Zeit und Stoff auf allen Seiten gespart werden kann. Natürlich sind die Designbeispiele der Probenäher auch sehr wichtig für das Marketing eines Schnittes. Nicht nur zur Veröffentlichung, sondern auch später, wenn Kundinnen als Entscheidungshilfe nach Designbeispielen bei Google oder Pinterest suchen.

Marketing & Veröffentlichung

Die Veröffentlichung ist immer ein spannender Moment. Wie wird der Schnitt angenommen? Gibt es womöglich zeitgleich ähnliche neue Schnitte in Social Media zu entdecken? Aber bis dahin ist meist noch ein langer Weg. Eine Grafikerin ist meist noch mit im Boot für das Deckblat und mir ist es immer wichtig, dass meine Newsletter-Abonnenten als erstes und mit einem besonderen Angebot Zugang zum Schnittmuster erhalten, als Dankeschön für ihre Treue. Es gibt auch immer mindestens einen Blogpost rund um das neue Schnittmuster und natürlich informiere ich meine Follower bei Facebook und Instagram. Aber es gibt immer noch so viel mehr, was man tun könnte. Als One-Woman-Show komme ich aber irgendwann an meine Grenzen und freue mich natürlich, wenn meine Kundinnen selbst etwas über den Schnitt schreiben, einen Beitrag teilen und mich so unterstützen.

Liegt schon das nächste Ideen-Ei im Nest?

Im Nest liegen schon wieder neue Eier, es wird sich zeigen, aus welchem ein neues Ideen-Küken schlüpfen wird.

Ich hoffe, dir hat der kleine Einblick in meine Arbeits- und Gedankenwelt gefallen. Wie findest du den neuen Schnitt?

Liebe Grüße,

Elke

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3 thoughts on “Wie entsteht ein Schnittmuster bei Elle Puls?

  1. Danke für den Einblick!
    Ich finde den Schnitt prima und freue mich schon, wenn er raus kommt. Und ich finde super, dass es eine normale Variante ohne Cut Outs an der Schulter geben wird! Ich habe da gerne Stoff drüber 😉
    LG Petra

  2. Hallo Elke!
    Danke für deinen ausführlichen Post. Ich sehe, du bist ähnlich spontan wie ich;)
    Was deinen neuen Schnitt anbelangt muss ich sagen, dass er mir ausgesprochen gut gefällt. Die Cut Outs mag ich sehr gerne, bin mir aber noch nicht sicher, ob ich sie auch an mir mag.
    Aber die Saumlösung finde ich super. Das ist nämlich auch immer mein Problem. Ich mag das reingesteckte auch so gerne, aber für die (Biker-) Leggins hatte ich bislang auch nicht das richtige gefunden.
    LG Andrea

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